Was ist eine Due Diligence?

In der Welt der Unternehmensberatung sind englische Begriffe en vogue. Die Branchenabteilung, welche sich mit der Übernahme und Zusammenschlüssen von Unternehmen auseinandersetzt, wird unter dem Oberbegriff «Mergers and Acqusitions» oder abgekürzt «M&A» zusammengefasst. Unverbindliche Kaufangebote werden als «non-binding offers» bezeichnet oder – wenn man sämtliche wichtigen Eckdaten der Transaktion detailliert zusammenfasst – als «term sheet». Ein Anglizismus, der sich besonders etabliert hat, ist die «Due Diligence». Worum handelt es sich dabei und weshalb ist die Due Diligence so wichtig?

 

Begriffserklärung

Übersetzt bedeutet «Due Diligence» nichts anderes als «angemessene Sorgfalt». Der Begriff wird im Englischen für sämtliche Situationen verwendet, in welchen sich eine Prüfung oder Vorabklärung eines Kaufobjekts oder eines Vertragspartners aufdrängt, bevor man verbindliche Rechtsgeschäfte in Bezug auf dieses Objekt oder diese Person abschliesst. Die angemessene Sorgfalt kann also zum Beispiel zum Einsatz kommen, bevor man jemanden anstellt oder bevor man eine Räumlichkeit mietet. Im englischen und vor allem im deutschen Sprachgebrauch hat sich dieser Begriff aber vor allem im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen durchgesetzt. In diesem Kontext sind sämtliche Prüfungshandlungen gemeint, welche der Kaufinteressent vor Unterzeichnung eines Kaufvertrages vornimmt. Als deutsche Alternative könnte etwa der Begriff «Betriebsprüfung» gelten.

 

Zweck der Due Diligence

Unternehmen sind komplexe Wirtschaftsgüter, in welchen Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Verträge, Menschen, Prozesse, Risiken und andere Bestandteile dauernd interagieren. Aufgrund dieser Tatsache reicht ein einfacher Augenschein in der Regel nicht, um sich eine informierte Meinung über die Qualität und die Risiken eines Unternehmens zu bilden. Es bedarf hierfür einer vertieften Prüfung verschiedener Unternehmensbereiche, ergo einer Betriebsprüfung.

Wegen der Komplexität von Unternehmen wird im Unternehmenskaufvertrag in der Regel vorgesehen, dass die Rückabwicklung eines Verkaufs ausgeschlossen ist, d.h. die Möglichkeit der Wandelung des Kaufvertrages gemäss Artikel 205, Absatz 1 OR wird wegbedungen. Ein Unternehmen kann man nicht einfach zurückgeben oder gegen ein anderes austauschen, wenn sich nach dem Kauf Mängel herausstellen. Auch aus diesem Grund spielt die vorgängige Prüfung des Kaufgegenstands bei Unternehmenstransaktionen ein so wichtige Rolle.

 

Inhalt der Due Diligence

Das englische Wort «due» versieht den Fachbegriff mit einer impliziten Aufforderung, den konkreten Umständen einer Transaktion Rechnung zu tragen und den Umfang der angewandten Sorgfalt situativ anzupassen. Der Inhalt und Umfang der Betriebsprüfung richtet sich somit nach dem Einzelfall. Im Zentrum der Überlegung stehen immer die Risiken, welche ein Käufer übernimmt. Die Frage lautet also: Wo könnten sich bei diesem Unternehmen Risiken verbergen, welche das Potenzial haben, nach der Übernahme erhebliche Aufwände zu generieren? Dieser Ansatz lässt sich mit einigen realen Beispielen veranschaulichen:

  • Kauf einer Textilreinigung mit altem Maschinenpark à Fokus der Due Diligence liegt auf der fachmännischen Prüfung des Maschinenparks und der Abklärung eines möglichen Investitionsbedarf in den nächsten 1 bis 5 Jahren.
  • Kauf einer Handelsfirma mit Exklusivvertretung à Fokus der Due Diligence liegt auf der Prüfung der vertraglichen Beziehung zu diesem Lieferanten und auf dem Ausfallrisiko desselben.
  • Kauf einer Gebäudereinigung mit über 200 Teilzeitmitarbeitern à Fokus der Due Diligence liegt auf der Einhaltung der gesamtarbeitsvertraglichen, sozialversicherungsrechtlichen und arbeitsrechtlichen Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern.
  • Kauf eines Softwareunternehmens mit über 800 anwendenden Kunden à Fokus der Due Diligence liegt auf der technischen Stabilität der Software sowie auf der Dokumentation bzw. Verteilung des entsprechenden Know-How innerhalb des Unternehmens.

Die Standard-Betriebsprüfung umfasst die folgenden Teilbereiche:

  • Financial Due Diligence à Vertiefte Prüfung der Finanzen (Jahresrechnungen, Steuererklärungen, Lohnbuchhaltung, Revisionen von AHV und MWST, etc.)
  • Legal Due Diligence à Vertiefte Prüfung der Verträge und der übrigen Rechtsverhältnisse (Gründungsurkunden, HR-Auszug, Statuten, Mietvertrag, Arbeitsverträge, Lieferantenverträge, Kundenverträge, etc.)
  • Operational Due Diligence à Vertiefte Prüfung des produktiven Anlagevermögens des Unternehmens mit Blick auf Investitionsbedarf und operative Risiken (Maschinenpark, Lieferketten, Lagerhaltung, etc.).

Je nach Branche und Grösse des Unternehmens können noch weitere Prüfungsbereiche hinzukommen wie IT-Due Diligence, Human Capital Due Diligence oder Intellectual Capital Due Diligence.

 

Durchführung der Due Diligence

Für die Durchführung einer Due Diligence zieht ein Käufer in der Regel Personen bzw. Unternehmen mit spezifischen Fachkenntnissen bei. Für den finanziellen und rechtlichen Teil sind dies oft Treuhandbüros, Revisionsunternehmen, Anwaltskanzleien oder spezialisierte M&A-Berater. Je nach Grösse und Komplexität eines Unternehmens kann die Due Diligence zwischen einigen Stunden bis einige Wochen dauern. Im Kaufprozess wird die Due Diligence meistens erst durchgeführt, wenn sich die Parteien über die wesentlichen Eckdaten der Transaktion einig sind und die Finanzierung geklärt ist. Es wird implizit oder explizit davon ausgegangen, dass an den verhandelten Konditionen des Verkaufs nicht mehr gerüttelt wird, wenn die Ergebnisse der Due Diligence das bis dahin angenommene Gesamtbild des Unternehmens nicht erheblich verändern.

 

Fazit

Aus Sicht von manchen Verkäufern ist die Due Diligence nichts mehr als ein notwendiges Übel des Verkaufsprozesses. Diese Haltung ist nachvollziehbar. Aus einer übergeordneten Perspektive ist es aber zu begrüssen, dass der Käufer einen informierten Kaufentscheid fällt. Dies reduziert das Risiko, dass es nach Verkaufsabschluss noch zu Diskussionen oder gar rechtlichen Streitigkeiten kommt. Wichtig ist, dass die Betriebsprüfung mit sauberen Unterlagen gut vorbereitet wird, so dass die Gegenseite ein klares Bild über die Sachlage erhält und das Vertrauen zwischen den Parteien bis zum Abschluss erhalten bleibt.